Liebe Potsdamerinnen und Potsdamer,

was bewegt mich dazu, mich um das Amt des Oberbürgermeisters in meiner Heimatstadt zu bewerben? Was hat mich geprägt, wie lebe ich und welche Vorstellungen für die Zukunft unserer Stadt habe ich? Das wurde ich in den vergangenen Monaten oft gefragt. Auf den folgenden Seiten möchte ich mich Ihnen vorstellen.

Potsdam ist wunderschön und einzigartig. Unsere Stadt ist beliebt und viele Menschen möchten bei uns leben und arbeiten. Das ist schön und zugleich unsere größte Herausforderung. Wir brauchen nicht nur mehr Wohnungen, sie müssen auch bezahlbar sein. Gleichzeitig müssen wir Kitas, Schulen, Kultur- und Freizeitangebote, Verkehrswege, den öffentlichen Nahverkehr und Sportflächen bauen und dabei auf ausreichend Freiflächen achten. Dafür braucht es Augenmaß, sonst verliert Potsdam seinen besonderen Charme. Deshalb will ich das Wachstum nicht nur „verwalten“, sondern umsichtig und sozial gestalten. Dafür trete ich als Oberbürgermeister-Kandidat an.

Mit Erfahrung und frischen Ideen für Potsdam – so werde ich für Sie arbeiten.

Ich bitte Sie um Ihre Stimme bei der Stichwahl am 14. Oktober 2018. Im ersten Wahlgang am 23. September erreichte ich 32,2 Prozent der Stimmen. September 2018.

Ihr Mike Schubert

Zuhause in Potsdam

Ich bin Familienvater und glücklich verheiratet. Wir wohnen jetzt seit sechs Jahren im Potsdamer Norden, in Golm knapp hinter Eiche. Unsere Kinder sind zehn und sieben Jahre alt. Ich bin viel unterwegs, trotzdem schaffen meine Frau und ich es, gemeinsam unsere Kinder großzuziehen. Es ist mir wichtig, nicht nur ein Sonntagspapa zu sein. Die Zeit, die wir zusammen haben, nutzen wir intensiv.

Ich kümmere mich am Morgen um die Kinder, meine Frau ist da schon arbeiten. Ein Abend in der Woche ist streng reserviert fürs Zubettbringen mit einem kleinen Ritual: Die Kinder erzählen mir ihre schönsten Erlebnisse vom Tag. Oder was ihnen Kummer gemacht hat.

Unser Sohn liebt die Tage der offenen Tür bei der Feuerwehr. Meine Frau und meine Tochter laufen oft gemeinsam mit mir bei Sportveranstaltungen. Und meine Frau und ich gehen gern ins Theater, zu Konzerten oder tanzen.
Sport war mir immer wichtig. Heute versuche ich mindestens dreimal in der Woche zu laufen. Es ist ein körperlicher Ausgleich, der den Kopf frei macht. Und da auch meine Frau gern läuft, ist es zu unserem gemeinsamen Hobby geworden.

Unsere Kinder treiben Sport in Vereinen – beim SC Potsdam und bei Grün-Weiß Golm. Bei beiden schaue ich gern mal beim Training oder bei Wettkämpfen zu und helfe dann auch vor Ort bei der Organisation oder an Verkaufsständen.

Zuvor haben wir am Brauhausberg gewohnt und uns auch dort sehr wohl gefühlt, gerade mit Kind. Wir sind durch den Wald am Brauhausberg gestromert, haben den Spielplatz auf der Freundschaftsinsel geliebt und natürlich den Kletterpark. Davor habe ich am Stern gelebt und noch früher in Zentrum Ost.

Verwurzelt in Brandenburg

Geboren wurde ich am 3. Februar 1973 in Schwedt. Mein Vater, in den 60er Jahren erfolgreicher Wassersportler mit Weltmeistertiteln im Wildwasser-Kanu, war dort für den Aufbau eines Trainingszentrums für junge Ruderer verantwortlich. 1975 wechselte er nach Potsdam. Die Familie folgte ihm von der Oder an die Havel. Da war ich zwei Jahre alt. Unser neues Leben in Potsdam begann mit einem schweren Schicksalsschlag: Meine Mutter wurde schwer krank und verstarb kurz darauf. Mein Vater musste sich nun allein um mich kümmern. Später heiratete er erneut.

Mit der neuen Familie wuchs ich in Zentrum Ost auf. Meine zweite Mutter hatte bereits zwei Kinder, die nur wenig älter waren und für mich schnell zu Geschwistern wurden. In Zentrum Ost ging ich in den Kindergarten und besuchte von 1979 bis 1989 die POS 38, die heutige Gesamtschule Peter-Joseph-Lenné.

Sport war immer wichtig für mich: Fußball bei Empor Potsdam, Boxen bei Motor Babelsberg, Seesport bei der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) im Babelsberger Park. Wir waren oft draußen unterwegs – am Wasser, im Garten, im Wald.

An meiner Schule suchte die DEFA häufiger Kinder für ihre Filme. So kam ich zum Fernsehen und spielte als Zweitklässler in der beliebten Serie „Spuk im Hochhaus“ mit. Das war für mich ein großes Abenteuer. Nicht zuletzt, weil ich selbst in einem Hochhaus aufgewachsen bin. Wenn ich heute meinen Filmbruder treffe, erinnern wir uns mit einem Lächeln an diese Zeit.

Auch meine Frau und unsere Kinder gucken die alten Filme gern. Das ist für uns alle ein großer Spaß. Nicht zuletzt, weil mein Sohn jetzt genauso alt ist wie ich damals. Hinzu kommt, dass er mir sehr ähnlich sieht. „Papa“, ruft er dann, „Papa, guck mal, da bin ja ich!“

Mein Weg ins Leben

Nach meinem Schulabschluss 1989 habe ich eine Ausbildung zum Industrieelektroniker begonnen. Damals, im Geräte- und Reglerwerk Teltow, sagte man noch Betriebs-, Mess-, Steuer- und Regeltechniker. Bedingt durch die Deutsche Einheit und die Veränderungen, die mit ihr kamen, habe ich eine zweite Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann abgeschlossen. Die machte ich in Berlin-Zehlendorf.

Die Wendezeit hat mich geprägt. Vieles von dem, was bisher war, galt nun nicht mehr. Industriebetriebe in unserer Region boten Anfang der neunziger Jahre keine sichere Jobperspektive mehr. Das zeichnete sich schnell ab. Neue Chancen entstanden, neue Risiken taten sich auf.

Aufgrund meiner guten Leistungen konnte ich die zweite Ausbildung vorzeitig abschließen. Der Betrieb bot mir eine Festanstellung an. Doch ich entschied mich als 21 Jahre junger Mann für die Selbstständigkeit: Hart zu arbeiten und Geld zu verdienen, war mein Plan. Doch dieser Plan ging nicht auf. Die Erfahrung, noch einmal neu anzufangen, teilte ich mit vielen in dieser Zeit. Mein einschneidendstes Erlebnis: Ich musste Sozialhilfe beantragen. Und da es für die Miete kaum noch reichte, musste ich aus meiner Wohnung ausziehen. Der Tiefpunkt war erreicht.

Meine Eltern halfen in der Not. Erst zog ich zu ihnen zurück, dann mit ihrer Unterstützung in eine kleine Wohnung im „D-Zug“ in der Neuendorfer Straße am Stern. Ich fing noch einmal von vorn an. Das war im Herbst 1995. Auf einmal kann man aus eigenem Erleben die Sorgen derer nachvollziehen, die nicht auf der „Sonnenseite des Lebens“ stehen. Dann weiß man, wie wichtig staatliche Hilfe und Aufmunterung durch Freunde und Verwandte sind. Seitdem weiß ich: Es reicht nicht aus, wenn sich jeder nur um sich selbst kümmert! Wichtig sind Teilhabe, Anerkennung und das Miteinander.

Ich bin den Menschen, die mich in dieser Zeit und trotz meines Scheiterns unterstützten, allen voran meinen Eltern, heute noch sehr dankbar. Ohne Familie und Freunde hätte ich es nicht geschafft, wieder auf die Beine zu kommen.

Neue Erfahrungen

Ich wurde zum Wehrdienst eingezogen, war als Pressesoldat im Kosovo und habe als Quereinsteiger an der Universität Potsdam studiert.

Diese beiden Stationen haben mich geprägt. Während meiner Grundwehrdienstzeit habe ich verschiedene Angebote zur Weiterbildung genutzt, mich für eine Dienstzeitverlängerung entschieden und mich später während des Studiums für einen sechsmonatigen Einsatz im Kosovo verpflichtet. Dem Einsatz der Bundeswehr auf dem Balkan stand ich anfangs kritisch gegenüber. Ich habe dann jedoch gesehen, dass Mord, Vertreibung und Verbrechen im ehemaligen Jugoslawien nicht von selbst aufhören, sondern nur durch ein Eingreifen zu beenden waren.

Die Eindrücke von Zerstörung und Kriegsfolgen, die ich dort erlebte, prägen mich bis heute. Ebenso wie die mit Händen zu greifende Hoffnung und der neu gewonnene Lebensmut der Menschen nach den schweren Erlebnissen. Diese Erfahrung des Helfen hat mich verändert, so dass ich auch beim Elbe-Hochwasser 2002 zwei Wochen in Dresden – der Geburtsstadt meiner Eltern – half, die Folgen der Flut zu bewältigen.

Der Wunsch wuchs, mich weiterzubilden. Mein Traum: Ein Studium. Ohne Abitur? An der Universität Potsdam gab es die Möglichkeit, mit meinen beruflichen Qualifikationen eine Eignungsprüfung abzulegen. Ich bestand und studierte erfolgreich Wirtschafts- und Politikwissenschaften. Erst später wurde mir klar, dass dieser Weg eine Errungenschaft sozialdemokratischer Bildungspolitik ist.

In dieser Zeit begann auch mein politisches Engagement. Mir war klar: Sein Schicksal in eigene Hände zu nehmen und allen, denen es nicht von Anfang an gut geht, dabei zu helfen, einen klaren Weg ins Leben zu finden und dafür die Rahmenbedingungen zu gestalten, das ist meine Aufgabe.

Engagiert für die Menschen und die Stadt

Matthias Platzeck bin ich bis heute sehr dankbar. Er hat mich mit seinem Blick aufs Leben und die Menschen geprägt. In seinem Bürgerbüro für den Wahlkreis im Potsdamer Süden am Schlaatz habe ich als Student von der Pike auf gelernt, was es bedeutet, sich politisch zu kümmern, im Dialog zu sein und für Entscheidungen geradezustehen. Ich habe Bürgergespräche geführt, Probleme aufgenommen und gelöst, Termine vorbereitet und gemerkt, was gestalten bedeutet und wie viel Arbeit
es macht.

Seitdem ist mein Arbeitsmotto „Im Dialog“ – gemeinsam mit allen Akteuren, nicht über ihre Köpfe hinweg. Heute biete ich als Sozialbeigeordneter Bürgersprechstunden an und ziehe gerade bei strittigen Themen wie jüngst bei den Kita-Elternbeiträgen die Lösungssuche im Gespräch mit allen Beteiligten einem einsamen Wegducken vor.

Seit mehr als 20 Jahren engagiere ich mich politisch. 18 Jahre lang war ich Stadtverordneter in Potsdam, viele Jahre davon Fraktionsvorsitzender. Ich kenne die Stadtverwaltung aus verschiedenen Perspektiven – als Bürger, als Stadtverordneter und nicht zuletzt als Beigeordneter.

Seit zwei Jahren bin ich Beigeordneter für Soziales, Jugend, Gesundheit und Ordnung. Ich habe frischen Wind in die Verwaltung gebracht.

Als Oberbürgermeister werde ich dafür sorgen, die Stadtverwaltung zukunftsfest zu machen: mit modernen Arbeitsplätzen, die attraktiv sind für qualifizierte Angestellte. Und mit dem Anspruch, ein guter Dienstleister für alle Bürgerinnen und Bürger zu sein.

Verantwortung für den Katastrophenschutz

Von 2009 bis 2016 war ich im brandenburgischen Innenministerium angestellt und leitete ab 2011 das Referat für Brand- und Katastrophenschutz. Menschen wollen und sollen sich sicher fühlen. Dazu gehört auch der Schutz vor Bränden und Katastrophen und die schnelle Rettung nach einem Unfall. Oder, wie sich beim Zustrom der Flüchtlinge 2015 zeigte, auch bei der Bewältigung anderer besonderer Herausforderungen. Die Bereitstellung von Unterkünften und die enge Zusammenarbeit mit den Landkreisen und Kommunen wurde auch uns zugeordnet.

Feuerwehren und Hilfsorganisationen leisten viel für unsere Sicherheit. Die Arbeit von haupt- und ehrenamtlichen Kräften ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres täglichen Lebens. Er ist oft nicht sichtbar, muss aber immer funktionieren, wenn ein Notfall eintritt.

Die Verantwortung für Notfallsituationen und Ordnung begleitete mich auch in mein neues Amt als Beigeordneter für Soziales, Jugend, Gesundheit und Ordnung. Die Zuständigkeit für die Feuerwehren liegt darin und damit die Koordination der Vorbereitungen, wenn in Potsdam wieder einmal eine Weltkriegsbombe entschärft werden muss.

Das ist fast schon eine Standardsituation bei den vielen Bauarbeiten in der Potsdamer Mitte und doch jedes Mal wieder eine neue Herausforderung. Gemeinsam mit vielen, fast ausnahmslos freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung sorgen wir dafür, dass Arbeitsfreiheit für den Sprengmeister erreicht wird und möglichst bald wieder Normalität für die Anwohnerinnen und Anwohner, Angestellten, Kitas, Schulen, Senioren- Einrichtungen und Krankenhäuser im Sperrkreis herrscht.

Verantwortung als Sozialbeigeordneter

Seit 2016 bin ich Beigeordneter für Soziales, Jugend, Gesundheit und Ordnung der Landeshauptstadt Potsdam. Ich habe von Beginn an Probleme offen benannt, bin sie angegangen und habe manche bereits gelöst: Erste Kitas in Modulbauweise sind schnell eröffnet worden, zum Beispiel in Fahrland. Es dauerte keine zwei Jahre von der Idee bis zum ersten Kinderlachen in der neuen Einrichtung. Das Tierheim steht noch nicht, aber es kommt. Der Weg ist klar, das Verhältnis zum Tierschutzverein ist wieder ein gutes und die Finanzen sind zugeordnet. Der Aktionsplan Kinderfreundliche Kommune ist auf den Weg gebracht, damit Potsdams Kinder mehr Möglichkeiten zur freien Entfaltung bekommen.

Und dass jetzt Einigkeit über ein in Potsdamer Familien heiß diskutiertes Thema erzielt wurde, freut mich besonders: die Kita-Elternbeiträge. Die neue Elternbeitragsordnung gilt ab August 2018. Das letzte Kita-Jahr wird beitragsfrei und die Kita-Beiträge sinken deutlich.

Ein Beispiel: Eine Familie mit einem Kind und einem Jahreseinkommen von 34.000 Euro bezahlt ab August für einen 10-Stunden-Krippenplatz 77 Euro statt bisher 125 Euro. Das ist eine erhebliche Einsparung in der Familienkasse.

Bei den Beiträgen für die Vergangenheit wird es Rückzahlungen geben. Wir haben jetzt eine Elternbeitragsordnung, die Risiken ausräumt. Und weil wir als familienfreundliche Stadt nicht verantworten können und wollen, dass Eltern sich für die zurückliegende Zeit auf einen Klageweg gegen ihren Träger machen und dann die Kita-Träger bei der Stadt versuchen, ihr Geld auf dem Rechtsweg zu holen, schlagen wir eine freiwillige Regulierung vor. Das ist mein Vorschlag und dazu stehe ich. Es hat sich viel bewegt. Das ist auch ein Verdienst des engagierten Elternbeirates und der Potsdamer Kita-Träger. Auch hier gilt wieder: Nur gemeinsam lösen wir Probleme.

Meine Schwerpunkte

Potsdam hat sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt. Unsere Stadt ist beliebt und viele Menschen möchten bei uns leben und arbeiten. Das ist ein Glück und zugleich unsere größte Herausforderung. 

In Gesprächen erzählen mir aber viele Menschen auch, dass sie sich Sorgen machen, wie schnell unsere Stadt wächst. Angesichts steigender Mieten fragen sich viele: Kann ich mir meine Wohnung auch in Zukunft noch leisten? Können meine Kinder in die Kita oder in die Schule um die Ecke gehen? Und kann ich bei dem starken Verkehr darauf vertrauen, dass ich problemlos von A nach B komme – auch dann, wenn ich es eilig habe? Und wie viel Wachstum und welches Tempo verträgt unsere Stadt?

Als Ihr Oberbürgermeister werde ich mich dieser Fragen annehmen. Ich bin davon überzeugt, dass das Wachstum umsichtig, sozial und mit Augenmaß gestaltet werden muss. Nur so kann Potsdam der Ort bleiben, den wir lieben und für unsere Kinder und Enkel bewahren wollen. 

Das Besondere an Potsdam kann nur erhalten werden, wenn nicht jeder Freiraum, jede Grünfläche zugebaut wird. Ich will einen Wachstumskonsens in der Stadt erreichen. Denn wir müssen uns bewusst machen, welche Hypothek wir materiell, aber auch umwelt- und kulturpolitisch künftigen Generationen hinterlassen. 

Ich will, dass Potsdam seinen besonderen Charme nicht verliert. Dabei werde ich dafür sorgen, dass wir Potsdamerinnen und Potsdamer das Tempo des Wachstums bestimmen und nicht die Investoren.

In meinem Zukunftsprogramm „Entschieden für Potsdam“ habe ich meine konkreten Ziele für die kommenden acht Jahre aufgestellt. Hier können Sie es nachlesen: ZUKUNFTSPROGRAMM

Ihr Mike Schubert